Museum des 20. Jhd. | Kulturforum Berlin

städtebaulicher Ideenwettbewerb | 2015

Zusammenarbeit mit topia landscapes | Holger Schröder, Julie Martineau


Um das Kulturforum sowohl als städtebauliches Ensemble als auch als Kulturinstitution stärker im Berliner Stadtgefüge zu verankern, bedarf es einer klaren, sichtbaren Maßnahme. Verpflichtend hierbei ist Scharouns Konzept der Stadtlandschaft als ein fließender, grüner und öffentlich zugänglicher Stadtraum, in dem sich einzelne Solitäre in lockerer Anordnung platzieren.

 

Wir schlagen einen kompakten, kleinen Turm vor, der von einer weichen Topographie umwogt wird. Es entsteht ein einladender, öffentlicher Platz, der sich zu allen Seiten hin öffnet: der Kunstgarten. Es ist ein kollektiv erlebbarer Ort, aber auch ein Ort, um sich aus der Hektik der Großstadt zurückzuziehen.

Der Turm schafft die nötige visuelle Prägnanz, die dem Kulturforum heute fehlt. Er markiert die geografischen Mitte des Forums und kann - ähnlich einem Leuchtturm - als Aushängeschild für das Forum als Ganzes stehen. Bestehende Blickachsen bleiben erhalten und ermöglichen, dass das ganze Kulturforum weiterhin als städtebauliche Einheit wahrnehmbar bleibt.


Der Kunstgarten liegt auf derselben Höhe wie der Sockel der Neuen Nationalgalerie. Das von Mies geschaffene Belvedere wird somit bis ins Innere des Kulturforums weitergeführt. Neue, intimere Blicke auf die großartigen Architekturen des Kulturforums und die Skyline des Potsdamer Platzes werden geschaffen.


Im Gegensatz zu Mies’ rigider Granitterrasse ist dieser öffentliche Platz in großzügigen, weichen Wellen aufgeworfenen und erinnert in seiner Textur an einen riesigen Teppich.  Dem Mies'schen “Universalraum” wird ein “Individualraum” entgegengestellt, in dem ein Gefühl von Intimität und heiterer Gelassenheit erzeugt wird. Die Nutzung ist bewusst offen. Es ist ein perfomativ nutzbarer Ort, der inspiriert und von Kulturschaffenden vereinnahmt wird. Ein Ort intensiver Gegenwart.


Hans Scharouns Idee von der “Stadtlandschaft” übt eine unverminderte Faszination aus.

Dennoch hat dieses Konzept über die Jahrzehnte keine befriedigenden Stadträume hervorgebracht.

Wir schlagen daher eine gestaffelte, landschaftsarchitektonische Erneuerung vor. Jeder Solitär bzw. jede kulturelle Institution erhält einen eigenen Garten, der deutlich mit dem Charakter des jeweiligen Solitärs korrespondiert. So entsteht ein “Archipel öffentlicher Gärten”, in dem die Differenz zelebriert wird, die es bei den Architekturen auch gibt.

Die großen baulichen Soltäre werden individuell in ihrer Umgebung verankert. Dies schafft eine harmonische Vielstimmigkeit, in der sich der Besucher besser zurecht finden kann. Es ist diese menschlichere Maßstäblichkeit der Räume, die den übergeordneten Charakter des Kulturforums und seiner Freiräume ausmacht. Der “Kunstgarten” reiht sich harmonisch in diese Abfolge von öffentlichen Gärten ein.